Ich kenne das Meer, ich war schon mal da

Etwas beschreiben zu wollen, das sich in 

tausenden Facetten und Farben zeigt,

beschreiben zu wollen wie die Spirits wirken 

und auch werden - das ist Gott sei Dank - 

unmöglich.

Menschliches Kontroll- und Schachteldenken zu 

befriedigen liegt nicht in der Natur der Schöpfung

und so ist es, genau betrachtet und gleichzeitig 

losgelassen, unmöglich etwas mit dem Verstand

beschreiben zu wollen, das so bunt und vielseitig ist wie das Leben selbst.

Die Schachtel "Schamanismus" gibt es eigentlich nicht, bestenfalls in menschlicher Wertung, nach dem Strohhalm greifend, der Kontrolle verspricht um dem Strudel und der Freiheit des Lebens zu entgehen.

Für mich selbst hat das Wort "Schamanismus" seine Bedeutung verloren, zu sehr klassifiziert es für mich, wohl aber gibt es den "klassischen Schamanen", eben jene Frau oder jenen Mann durch den die Geister wirken. Gut und böse spielt dabei zunächst eine untergeordnete Rolle, ist lediglich menschliche Wertung.

In Ländern und Regionen in denen die Linie der "spirituellen Besessenheit" nicht abgerissen ist, existieren traditionelle Bezeichnungen für das Sein und Tun jener, die wir pauschal als Schamanen bezeichnen. 

Trotz alledem sind auch diese Schamanen individuell, obwohl sie alten Wegen folgen. Die Medizin, die sie in sich tragen ist maßgeschneidert und integriert in das Land auf dem sie wohnen.  Verwurzelt in dem Boden auf dem sie stehen, getragen von den Geistern, die die Menschen dort seit jeher rufen. Und so stehen diese Menschen an ihrem Platz in ihrer Zeit und so wie die Zeit sich wandelt, wandelt sich auch ihre Medizin.

In Europa benutzen wir das Wort  "Schamanismus" gerne, damit wir das, was wir für eine besondere spirituelle Gabe halten, auch im außen gut sichtbar darstellen können. Kurse aller Art helfen dabei, pseudo-schamanisches Wissen mundgerecht und leicht zu konsumieren, helfen uns dabei etwas zu eigen zu machen, was in Wirklichkeit nicht das unsere ist.

Vergessen wird dabei, dass ich nichts werden kann, was ich nicht bin; dass man nur Techniken lernen kann, nicht aber Schamane zu sein.

Die wenigsten, die sich bei uns als Schamanen bezeichnen, haben tiefe Einweihungsprozesse durchgemacht, eine langjährige Ausbildung und Erziehung durch die Spirits überstanden und dabei ihre "eigene Art" gefunden.  

Und doch gibt es "echte" Schamanen auch bei uns. Nicht anknüpfend an keltische oder germanische Kultur, sondern in die eigene Art der "spirituellen Besessenheit"  eingeweiht und diese tatsächlich lebend. Diese Menschen könnten zu den Vorreitern einer neuen und irgendwann traditionellen, schamanischen Linie in Europa werden, die dann auch tatsächlich wieder maßgeschneidert für die Bedürfnisse des Landes und der Zeit ist.

Wir werden sehen...

Die Frage nach Gut und Böse erübrigt sich übrigens ganz einfach, wenn ich mir bewusst bin, dass meine Gabe nur geborgt ist, die Kraft geliehen von den geistigen Welten. Demut in Größe ist die Folge. Das Wollen verliert dann seine Berechtigung, Neugier verschwindet und es bleibt in der Essenz nur der Wunsch, der selbsterfüllend ist. Ständig bei Gott zu sein und das Gefühl wahrhaftiger Liebe in sich zu erleben. 

Februar 2016